19. März 2010
Karriereende mit Bronze versüßt - Josef Giesen von Problemen mit der Biathlon-Waffe unbeeindruckt
(asa) Die Verbeugung vor seinem Publikum im Skistadion von Callaghan Valley war so tief, als würde die schwere Bronzemedaille bereits an seinem Hals hängen. Mit dem dritten Platz im Biathlon-Langstreckenrennen der Paralympics von Vancouver und damit einem erhofften Erfolgserlebnis beendete der Herzlakener Josef Giesen am Mittwoch seine große internationale Karriere.
„Dieses Bronze glänzt für mich wie Gold“, fasst der 48-Jährige seine Eindrücke nach einem „sehr schweren Wettkampf auf einer äußerst anspruchsvollen Strecke“ zusammen. Angesichts der bereits bei den Weltcuprennen im Vorfeld von der Konkurrenz gezeigten Laufleistungen hatte der Contergangeschädigte beim Rennen über 12,5 Kilometer ganz auf die Karte Schießen gesetzt und bis kurz vor den entscheidenden beiden Wettkämpfen in Whistler noch an seiner Waffe getüftelt.
Doch ausgerechnet das ansonsten so zuverlässige Gerät im chicen deutsch-kanadischen Design sorgte für eine Riesenschrecksekunde. Nach zwei fehlerfreien und erneut schnellen Fünfer-Serien, die Josef Giesen bei der Fünf-Kilometer-Zwischenzeit auf Platz zwei gebracht hatten, klemmte beim Repetieren nach dem ersten Schuss das Magazin. Hilfe seitens der Helfer des Organisationskomitees und seines deutschen Betreuers war zwar schnell zur Stelle, doch rund 20 Sekunden gingen Giesen ausgerechnet dort verloren, wo er eigentlich Zeit gutmachen wollte. „Man darf sich aber nicht aus der Ruhe bringen lassen“, blickte der Routinier auf diese entscheidenden Momente zurück. Kalt wie eine Hundeschnauze jagte er die vier ausstehenden Schüsse sicher und schnell ins Ziel und vermied damit die Strafminuten, die ihn hätten entscheidend zurückwerfen können.
Einen Fehler durfte sich Josef Giesen dann beim vierten und letzten Schießen gegenüber dem auf Position vier folgenden Verfolgungs-Weltmeister Kirill Mikhaylov leisten, und genau einmal blieb eine Scheibe auch stehen. Zusammen mit Silbermedaillengewinner Grigorii Vovchynskyi (39:28,5/1) erzielte das „Nordlicht“ im deutschen Ski nordisch Team die beste Schießleistung aller Starter und holte im Schneefall und bei Temperaturen von knapp zwei Grad in der Gesamtzeit von 41:25,0 vor Mikhaylov (41:47,0/6) den untersten Platz auf dem Siegerpodest der Medal Plaza. Paralympicsieger wurde der Norweger Nils-Erik Ulset (38:29,4/2).
Mit dem persönlichen Erfolg an einem mit insgesamt sechs Medaillen für die gesamte deutsche Mannschaft sehr erfolgreichen Tag war für Josef Giesen auch die leichte Enttäuschung am Beginn seiner letzten Paralympics endgültig vergessen. Nach Vorgesprächen beim Abschluss-Trainingslager in Toblach hatte er sich zum Abschied große Chancen ausrechnen dürfen, bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne zu tragen; die Mannschaftsleitung hatte sich dann für Frank Höfle entschieden. „Jetzt werde ich die letzten Tage hier noch genießen“, kündigte er an, ehe am Montag nach der großen Schlussfeier mit der Rückkehr ins Emsland ein neuer Lebensabschnitt beginnt.
15. März 2010
Mit Platz vier hundertprozentig zufrieden - Josef Giesen im Biathlon-Verfolgungsrennen von Whistler knapp an Bronze vorbei
(asa) Welch eine Dramatik, welch ein Jammer. Nach einer grandiosen Vorstellung beim Schießen und einem fantastischen Kampf bis auf die Ziellinie verpasste der Herzlakener Josef Giesen die ersehnte Medaille im ersten Versuch bei seiner letzten Teilnahme an Paralympics nur um eine Fußbreite. In der Biathlon-Verfolgung von Whistler belegte der Contergangeschädigte mit sieben Zehntelsekunden Rückstand auf den Ukrainer Grygorii Vovchynskyi den undankbaren vierten Platz, hatte seine vielleicht aufgekommene Enttäuschung aber schnell wieder überwunden: "Für andere ist Rang vier vielleicht ein Blechplatz; für mich aber ein ganz tolles Ergebnis. Ich bin hundertprozentig zufrieden."
Der 48-Jährige hat sich in den letzten Jahren zu einem Spezialisten der Wimpernschlag-Entscheidungen entwickelt. Bei den letzten Paralympics 2006 in Turin fehlte im 7,5 Kilometer-Rennen genau eine Sekunde zu Gold, das sich der Russe Rustam Garifoullin schnappte. Vor Jahresfrist lag Giesen in dem mittlerweile neu eingeführten Verfolgungsrennen drei Sekunden hinter dem Norweger Nils Erik Ulset, - wieder gab es Silber.
Und genau diese drei Sekunden trennten auf der Biathlonanlage im Callaghan Valley auch diesmal Ulset und Josef Giesen nach dem Prolog, der trotz der aus seiner Sicht nicht optimalen Bedingungen weitgehend nach den Vorstellungen des Emsländers verlaufen war. Auch seine Befürchtungen, die Strecke könnte wegen des Neuschnees zu weich sein, erfüllten sich nicht: "Die Organisatoren hatten im Gegensatz zum Training alles perfekt präpariert." Gelohnt hat sich bis dahin das intensivierte Schießtraining, auf das Josef Giesen auch im eigentlichen Rennen der besten zwölf Teilnehmer der stehenden Klasse bauen konnte. Während die Konkurrenz jeweils auf den drei anspruchsvollen Laufrunden von jeweils rund einem Kilometer Länge vor allem beim Anstieg deutlich sichtbar Zeit gut machte, schob sich Giesen nach zwei nicht nur fehlerfreien, sondern auch blitzschnellen und bombensicheren Schießeinlagen jeweils in Front, bewundert auch vom Stadionsprecher: "Giesen, what a shooter!" Nachdem die unmittelbaren Konkurrenten Kyrill Mikhailov und Nils-Erik Ulset aber nicht all zu viel Rückstand aufwiesen, war bereits eingangs der letzten Runde klar, dass es für den Routinier aus dem Emsland "nur" noch um die Bronzemedaille gehen würde.
Bis auf die Zielgerade hielt Josef Giesen dem Ansturm des immer mehr aufkommenden Vovchynskyi stand. Die meisten der Zuschauer auf der Tribüne und viele vor denn Fernsehgeräten bei der Direktübertragung von Eurosport drückten dem Deutschen die Daumen, der sich aber hauchdünn geschlagen geben musste und nach dem Zieleinlauf erst einmal total ausgepumpt liegen blieb. Trost holte er sich anschließend bei seiner auf der Tribüne mitfiebernden Frau Heike, und gemeinsam feierten sie mit der deutschen Kolonie anschließend noch die erste Goldmedaille durch die blinde Verena Bentele. Seine zweite Chance auf Edelmetall folgt am Mittwoch: "Ich bin voll motiviert und werde versuchen, noch einmal meine Fähigkeiten abzurufen."
12. März 2010
Pressemitteilung
Die X. Paralympischen Winterspiele sind eröffnet
Vancouver, 12. März 2010
Mit einer glanzvollen Show sind am Freitag die X. Winter-Paralympics in Vancouver eröffnet worden.
60.000 Zuschauer, darunter auch die deutsche Delegation angeführt von Fahnenträger Frank Höfle, erlebten im BC Place Stadium ein farbenfrohes Schauspiel und eine tolle Feier, die unter dem Motto "Ein Einzelner inspiriert viele" stand. Inszeniert hatte sie Patrick Roberge, der bereits für die Eröffnungs- und Schlussfeier der Winterspiele 1988 in Calgary verantwortlich war. 5.055 Beteiligte im Alter von 6 bis 92 Jahren verwandelten das BC Palace Stadium für knapp drei Stunden zur Partyzone. Die Kanadier erwiesen sich dabei als ausgesprochen faire Gastgeber. Beim Einmarsch der Nationen wurden alle Länder mit euphorischem Jubel begrüßt.
Schließlich entzündete um 20.34 Uhr Ortszeit der erst 15 Jahre alte beinamputierte Snowboarder Zach Beaumont das Paralympische Feuer. 38 Minuten zuvor hatte die Generalgouverneurin Kanadas, Michaelle Jean, die Spiele für eröffnet erklärt. "Wir haben unser ganzes Herz und unsere Seele reingelegt, um den Athleten ihren Lebenstraum zu erfüllen: Dass wir alle phantastische und unvergessliche Spiele erleben werden", sagte John Furlong, der Präsident des Organisationskomitees VANOC, und richtete sich direkt an die Sportler: "Möge dies der Anfang der größten Zeit Eures Lebens sein. Für Euch alle ist 'unmöglich' nur ein Wort."
11. März 2010
Pressemitteilung
Frank Höfle trägt die deutsche Fahne
Whistler, 10. März 2010.
Frank Höfle, Deutschlands erfolgreichster Ski nordisch Athlet, wird die deutsche paralympische Mannschaft am kommenden Freitag als Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier der X. Paralympics in Vancouver ins Stadion führen.
„Wir haben uns für ihn entschieden, weil er ein sehr erfolgreicher und sehr sympathischer Athlet und zudem ein großes Vorbild für behinderte und nichtbehinderte Sportler ist. Die Fahne ins Stadion zu tragen ist für Frank sicherlich der krönende Abschluss einer einzigartigen Paralympischen Karriere“, so Chef de Mission, Dr. Karl Quade, der dem Sportler die freudige Nachricht überbrachte.
Für den 43-jährigen Behindertensportler, der aufgrund seiner hochgradigen Sehbehinderung in der Klasse der Blinden und Sehbehinderten startet, sind es bereits die achten Paralympics an denen er teilnimmt. „Ich bin total überrascht, damit habe ich gar nicht gerechnet, dass mir die Ehre nochmals zuteilwird. Es gibt so viele Athleten in unserer Mannschaft, die auch in Frage gekommen wären“, so der 13fache Paralympicssieger, der seine letzten Winterspiele bestreitet. „Die Fahne bei der Eröffnungsfeier zu tragen ist fast wie ein Medaillengewinn, es ist ein Erlebnis, das man nie im Leben vergisst“.
Mit 16 Jahren begann Frank Höfle seine Langlaufkarriere in Baiersbronn beim VSG Mitteltal-Obertal. 1984 ging er in Innsbruck zum ersten Mal bei den Paralympics in die Loipe. Seither hat er 13 Gold-, fünf Silber- und drei Bronzemedaillen im Langlauf und Biathlon gewonnen. Der Ausnahmesportler lebt mit seiner Familie in Isny im Allgäu und arbeitet als Controler in der Stiftung St. Franziskus in Heiligenbronn.
10. März 2010
Pressemitteilung
Medaillenchancen für German Top Team dank Förderung durch Allianz und Deutsche Telekom
Vancouver, 10. März 2010
Am 12. März beginnen die Paralympischen Winterspiele 2010 in Vancouver. 505 paralympische Athleten aus 44 Nationen kämpfen um Gold, Silber und Bronze. Die Teilnehmer des Deutschen Top Teams konnten sich diesmal dank des innovativen Fördermodells, das die Allianz und die Deutsche Telekom gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband entwickelt haben, optimal auf ihre Wettkämpfe vorbereiten. Im Gegensatz zu den olympischen Athleten ist dies für die Paralympioniken keine Selbstverständlichkeit. Denn sie haben nicht nur einen aufwendigen Alltag zu bewältigen, sondern müssen ihren trainingsintensiven Sport auch mit einer vollen beruflichen Tätigkeit vereinbaren. Doch sportliche Höchstleistungen bei den paralympischen Spielen erfordern eine professionelle, langfristige und vor allem zeitintensive Vorbereitung.
Mehr Trainingszeit für die Athleten
Kerngedanke des Konzepts ist es, den Athleten mehr Zeit für Training und Wettkämpfe zu ermöglichen. Berufstätige Sportler können sich bis zur Hälfte ihrer Arbeitszeit freistellen lassen, die Arbeitgeber erhalten dafür einen finanziellen Ausgleich von bis zu 1500 Euro monatlich. Schüler und Studenten werden separat gefördert. Darüber hinaus profitieren die Athleten von einer monatlichen Grundförderung von 200 Euro und können bis zu 6000 Euro im Jahr für die Anschaffung von Sportgeräten zurück erstattet bekommen. Die Förderung wird über die Stiftung Deutsche Sporthilfe ausgezahlt.
Initiative des Bundespräsidenten zum Erfolg geführt
Initiiert wurde die Förderung von Bundespräsident Horst Köhler, der beide Unternehmen am Rande der paralympischen Winterspiele 2006 in Turin für eine Förderung begeistern konnte und damit die Grundlage für das Engagement geschaffen hat. Erste Erfolge zeigten sich bereits bei den paralympischen Sommerspielen 2008 in Peking, bei denen das deutsche Team 59 Medaillen gewinnen konnte. Auf diese Weise fördert das Programm seit drei Jahren insgesamt mehr als 50 paralympische Athletinnen und Athleten, darunter auch die deutsche sehbehinderte Biathletin Verena Bentele, die sich in Vancouver in nahezu allen nordischen Disziplinen Medaillenchancen ausrechnen darf.
„Mit Assistanceleistungen, wie unseren Rehabilitationsangeboten für Unfallverletzte, und der Förderung des paralympischen Sports wollen wir als Versicherer mehr für behinderte Menschen tun“, sagt Dr. Gerhard Rupprecht, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland AG. „Gleichzeitig halten die Leistungen der Paralympioniken uns alle dazu an, nicht auf eine Behinderung – ein “Defizit“ – sondern auf die Potenziale eines Menschen zu schauen und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Integration von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft.“
Für die Deutsche Telekom ist die Unterstützung des Behindertensports ein konsequenter Bestandteil ihrer unternehmerischen Verantwortung für die Gesellschaft. „Wir verstehen uns als Partner der Athleten. Mit unserem Engagement helfen wir dabei, dass sich die Spitzensportler auf ihren Sport konzentrieren und sich so optimal auf die Wettkämpfe vorbereiten können", betont René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. "Erfolge des German Paralympic Top Team verschaffen den Athleten und deren Sport mehr Öffentlichkeit und tragen dazu bei, die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Behinderung voranzutreiben", so der Telekom-Chef
Für den Behindertensportverband ist die Zusammenarbeit mit starken Partnern aus der Wirtschaft im paralympischen Leistungssport unerlässlich. „Ohne die Top Team Förderung von unseren Partnern, der Allianz und der Deutschen Telekom AG, wäre die optimale Vorbereitung auf die Paralympics in Vancouver praktisch nicht möglich gewesen. Die Platzierungen unserer Athletinnen und Athleten bei den bisherigen Europa- und Weltcups zeigen, dass wir mit diesen starken Partnern im Rücken auf dem richtigen Weg sind“, erklärt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes.
Erfolge im paralympischen Breitensport
Das Fördermodell schafft in Deutschland die Rahmenbedingungen, die für einen professionell ausgeübten paralympischen Sport notwendig sind. Doch es wirkt darüber hinaus. Rund 6,7 Millionen Menschen mit schwerer Behinderung leben in Deutschland. Über die Vorbildfunktion der paralympischen Sportler möchte das Programm mehr Menschen mit Behinderung zum Sport ermutigen. Auch hier zeigen sich erste Erfolge: So gewann der Deutsche Behindertensportverband allein im Jahr 2008 rund 55.000 Mitglieder hinzu. 4.000 neue sportbegeisterte Leute unter 21 verzeichnet die Deutsche Behinderten Sportjugend im gleichen Jahr.
9. März 2010
Pressemitteilung
Deutsche Mannschaft bezieht Paralympic Village
Nachdem am gestrigen Montag auch die letzten Athletinnen und Athleten und Betreuer in Vancouver und Whistler angekommen sind, wurde die komplette Mannschaft heute unter der Leitung von Dr. Karl Quade, Chef de Mission, bei der Welcome Ceremony im Paralympischen Dorf in Whistler herzlich willkommen geheißen. Auch die Curling Mannschaft um Cheftrainer Helmar Erlewein war dafür aus Vancouver, wo sie ihren Wettbewerb bestreitet, angereist. Nach einer kurzen Begrüßungsrede durch Dorf-Bürgermeisterin Marni Abbott-Peter wurde zu den Klängen der Nationalhymne die deutsche Flagge auf dem Ceremony Plaza in der “International Zone“ des Athletendorfes gehisst.
20 deutsche Sportlerinnen und Sportler werden ab dem kommenden Samstag, 13. März ihre Wettkämpfe in den Sportarten Ski alpin, Ski nordisch und Rollstuhl-Curling bestreiten. Insgesamt nehmen an den X. Paralympics 505 Athleten aus 44 Ländern teil. In Turin waren es 486 Sportler aus 416 Ländern.
4. März 2010
"In Vancouver muss die Null stehen" - Josef Giesen hat beim Trainingslager alte Sicherheit im Schießstand wiedergefunden
(asa). Mit einer langen Autofahrt von Toblach zurück ins Emsland endete für den Behinderten Skiläufer Josef Giesen in der Nacht zum Donnerstag die letzte Etappe der Vorbereitung auf die am 12. März beginnenden Winter-Paralympics in Vancouver. Beim abschließenden Trainingslager verpasste Bundestrainer Werner Nauber den sieben deutschen Startern in den Langlauf- und Biathlonwettbewerben von Whistler den Feinschliff.
„Das war von hinten bis vorne ein harmonisches Trainingslager; da hat alles gestimmt“, sieht der Herzlakener Giesen die Erwartungen bei der mehr als einwöchigen Vorbereitung mehr als erfüllt. Von der perfekten Unterkunft bis zu reichlich Schnee und gut präparierten Loipen fand das nordische Skiteam des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) beste Bedingungen vor, „und das Wetter war nur an unserem freien Tag etwas schlechter“, so Josef Giesen. Das bedeutete aber gleichzeitig eine gute Gelegenheit, mit der Schlittenfahrerin und Handbike-Paralympicsiegerin Andrea Eskau sowie dem Baiersbronner Einstockläufer Tino Uhlig die beiden Neulinge in der deutschen Mannschaft noch besser zu integrieren.
Neben den Laufeinheiten („körperlich fühle ich mich topfit“) nutzte Josef Giesen die Tage von Toblach dazu, weiter an der Verbesserung seiner Waffe zu tüfteln, - und das mit offensichtlichem Erfolg. „Die Trainingsleistungen am Schießstand waren sehr zufriedenstellend. Ich habe meine Sicherheit wiedergefunden“, freute sich der Biathlon-Spezialist, der zuletzt im Weltcup mehr Fehler kassierte als ihm lieb waren. Für Giesen gilt nämlich beim Schießen wie einst für Huub Stevens bei Schalke 04: die Null muss stehen, will er in Kanada bei seinem letzten großen internationalen Wettbewerb im Konzert der laufstarken Konkurrenz wie erhofft im Kampf um die Medaillen mitmischen.
Bevor es am Montag mit dem Flugzeug ab Bremen zunächst in Richtung Frankfurt und von dort nach der offiziellen Verabschiedung mit dem Großteil des deutschen Paralympicteams über den Großen Teich geht, war für Josef Giesen zunächst einmal noch zwei Tage relaxen angesagt. Für das Wochenende stehen laut Trainingsplan noch einmal zwei schnelle, relativ kurze Skirollereinheiten auf dem Programm, sofern das Wetter nicht einen Strich durch die Rechnung macht. „So kurios es sich für einen Wintersportler anhört: Schneefall wäre da schlecht“, blickt Giesen dabei etwas besorgt gegen Himmel. Dafür hofft man im Lager der Paralympioniken nach den Erfahrungen der Olympischen Spiele an den Wettkampfstätten, dass auch Mitte März die Verhältnisse noch winterlich sein werden. Eins ist für Josef Giesen dagegen jetzt schon sicher: an Unterstützung wird es ihm auch in Whistler nicht fehlen: „Meine Frau Heike und einige Freunde reisen am Mittwoch ebenfalls nach Vancouver, um mich bei den Rennen anzufeuern. Darüber freue ich mich sehr.“
9. Februar 2010
Im Südschwarzwald der Akku leer - Josef Giesen mit Weltcup-Plätzen neun und 13 unzufrieden
(asa).Während im Zielraum des Biathlon-Centrums Notschrei Nils-Erik Ulset seinen Weltcup-Tagessieg im Biathlon-Kurzstreckenrennen feierte, packte Josef Giesen etwas enttäuscht seine Siebensachen zusammen. Und mit einem Seitenblick auf den norwegischen Weltmeister drückte der Herzlakener Josef Giesen nach den Plätzen neun im Sprint und 13 über 7,5 Kilometer im Schwarzwald aus, was sich nach den Wettbewerben des Winters andeutet: "Bei den Paralympics in Vancouver eine Medaille zu gewinnen, wird sehr, sehr schwer."
Die Leistungsdichte gerade in den Biathlonrennen ist in der laufenden Weltcupsaison beeindruckend, die der Herzlakener noch mit einem Sieg eröffnet hatte. Bei den vom SC Oberried durchgeführten beiden Rennen, zugleich die Generalprobe für die Paralympics, lief dagegen für den Contergangeschädigten im Schießstand und vor allem läuferisch nicht alles rund. "Ich bin unzufrieden, weil ich mich beim Laufen im Moment etwas schlapp fühle", gesteht der 48-Jährige. Nach drei Wochen mit intensivem Training und auf einander folgenden Wettkämpfen in Bessans und Oberried scheint der Akku derzeit etwas leer. Und so wurde schon beim Verfolgungsrennen aus einem vielversprechenden zweiten Platz nach dem Prolog am Ende nur Endrang neun.
Bei den Deutschen Meisterschaften warten am Wochenende in Isny zwar schon die nächsten Rennen auf Giesen, "aber dort ist der Trubel nicht ganz so groß." Weil er im Gegensatz zu anderen Mitgliedern der Nationalmannschaft aus dem Südschwarzwald direkt ins Allgäu reiste, wird er es zwei Tage lang ohnehin erst einmal etwas ruhiger angehen lassen. "Und dann freue ich mich darauf, erst einmal wieder eine Woche zu Hause im Emsland verbringen zu können", so Josef Giesen weiter.
Wie ein Blick auf die Ergebnislisten zeigt, kommen in der paralympischen Saison nicht weniger als acht bis zehn Athleten für einen Sieg in den beiden Biathlonwettbewerben im kanadischen Whistler in Frage. Wie eng es in der Szene zugeht, zeigt das Kurzstreckenrennen am Notschrei. Ganze acht Sekunden lagen zwischen dem Sieger Ulset und dem Dritten Kirill Mikhalylov, der einmal mehr unter Beweis stellte, dass die russischen Läufer ihre frühere Schwäche beim Schießen mittlerweile überwunden haben.
In beiden Disziplinen Topleistungen zu bringen, bleibt auch das Ziel von Josef Giesen bei den Wettbewerben in den kanadischen Rocky Mountains Mitte März. Nach einigen langen Ausdauereinheiten und Feinschliff beim Schießtraining will er dann wieder an seine Topform vom Dezember anknüpfen. "Ich bleibe jetzt auch nach den jüngsten Ergebnissen ganz ruhig und trainiere konzentriert weiter. Schließlich sind es bis zum ersten Rennen noch vier Wochen hin". Unterstützung findet er bei Bundestrainer Werner Nauber, der ihm nach dem Leistungstest beste Werte attestierte und gezielt zum Saisonhöhepunkt aufbauen will. Ein wichtiger Baustein dazu ist das abschließende Trainingslager in Toblach, zu dem Giesen gemeinsam mit seinem Trainingspartner Thomas Oelsner am 20. Februar aufbrechen wird. Ernst wird es für ihn dann bereits am ersten Wettkampftag der Paralympics, wenn am 13. März die Biathlon-Verfolgung auf dem Programm steht.
1. Februar 2010
Immerhin einen Platz besser ...
(asa) "Immerhin einen Platz besser als beim ersten Wettbewerb hier in Bessans", kommentierte der Behinderten-Skilangläufer Josef Giesen aus Herzlake seinen sechsten Rang im Biathlon-Langstreckenrennen des Weltcups in Bessans (Frankreich) nicht ganz unzufrieden, aber dennoch etwas säuerlich.
Ärgerlich aus Sicht des 48-Jährigen, dass er die erste von vier Schießeinlagen zu schnell eröffnete und sich damit prompt zwei Fehlschüsse einhandelte. Bereits eine große Hypothek für den Spezialisten im Zweikampf aus Laufen und Schießen, der sich in der versammelten Weltklasse möglichst keine "Fahrkarten" erlauben darf, um ganz vorne dabei zu sein.Um so konzentrierter arbeitete er danach bei den drei folgenden Fünfer-Serien im Schießstand und traf 15 Mal in Folge ins Schwarze.
Dass es dann doch nicht zu einem Platz auf dem Treppchen reichte, war auch auf seine Zurückhaltung auf der nicht einfach zu laufenden 12,5 Kilometer-Strecke zurückzuführen. "Ich bin nach den Erfahrungen vom Mittwoch doch etwas zu verhalten angegangen", meinte Giesen, der den Wettbewerb in 51:37,4 min beendete und sich dadurch im Rennen der stehenden Herrenklasse auch erneut dem Oberhofer Thomas Oelsner knapp beugen musste. Oelsner wurde mit vier Schießfehlern in 51:29,3 min in dem vom Franzosen Yannick Bourseaux (46:37,9) gewonnenen Rennen Fünfter und so musste sich Josef Giesen diesmal den Flach seines Zimmerkollegen anhören.
Aus Frankreich machte sich nach Abschluss des gestrigen letzten Rennens ohne Beteiligung des Emsländers der ganze Tross der Behinderten-Skiläufer auf den Weg zu den nächsten Weltcup-Rennen in Oberried. Im Nordic-Zentrum Notschrei, bis zum Wochenende noch Austragungsort der Langläufe bei den nordischen Junioren-Weltmeisterschaften, gibt es in dieser Woche bereits das letzte Aufeinandertreffen der Weltelite vor den Paralmypics in Vancouver Mitte März.
28. Januar 2010
Nicht an die volle Leistungsfähigkeit herangekommen
(asa). Nicht an seine volle Leistungsfähigkeit herangekommen ist der nordische Behindertenskiläufer Josef Giesen beim Biathlon-Kurzstreckenrennen zum Auftakt der Weltcup-Wettbewerbe in Bessans (Frankreich). Trotz einer guten Schießleistung mit nur einem Fehler reichte es dem Herzlakener diesmal nur zu Platz sieben in der stehenden Männerklasse.
"Die Höhe des Wettkampfortes macht mir schon zu schaffen. Vielleicht sind wir etwas zu spät angereist, um die Akklimatisierung auf die Rennen auf über 1700 Metern Meereshöhe richtig zu schaffen", mutmaßte der bei den ersten Weltcup-Rennen in Norwegen noch so starke Josef Giesen. Auf den auch im Hinsicht auf die IBU-Biathlonrennen in der kommenden Woche an gleicher Stelle glänzend präparierten Strecken in einem kupierten Gelände (Giesen: "es geht ohne richtige Ruhepausen immer rauf und runter") konnte der Contergangeschädigte läuferisch diesmal nicht ganz mit der Spitze mithalten.
Hinter dem trotz wechselnder Windverhältnisse ebenfalls mit nur einem Schießfehler belasteten Oberhofer Thomas Oelsner (27:13,6 min) landete Josef Giesen in 27:54,2 min auf Rang sieben. Es siegte bei Temperaturen von minus zwölf Grad an einem perfekten Wintertag der Franzose Yannick Bourseaux in 25:57,1 min. Mit seiner Platzierung löste Oelsner gleichzeitig ebenso wie die Schlittenfahrerin Andrea Eskau (4.) das Ticket für die Paralympics in Vancouver, das der Emsländer bereits durch seinen Sieg im Dezember in Sjusjoen in der Tasche hat.
Mit der Verhältnissen bei dem bis Sonntag erstmals in Bessans ausgetragenen Weltcup zeigte sich Josef Giesen ansonsten zufrieden. "Man liest uns hier jeden Wunsch fast von den Augen ab", schwärmt er von einem Top-Hotel, von dem aus es allerdings zehn Kilometer über eine Passstreße bis zu dem auf einem Hochplateau gelegenen Austragungsort geht. Beim Biathlon-Langstreckenrennen am Samstag hofft der Herzlakener dann auch seine Umstellungsprobleme überwunden zu haben.
20. Januar 2010
Auf dem Weg nach Vancouver -
aus dem Trainingstagebuch von Josef Giesen




















