05.11.2009
Mal eben Pipi machen
Von Josef Giesen
In der vergangenen Woche war ich mit dem Top-Team Vancouver zum Training in Oberhof. Die ersten drei Tage haben wir da nur im Ski-Tunnel trainiert, zuerst vormittags, nachmittags noch einmal eineinhalb Stunden. Das war ganz schön intensiv, ich war platt wie eine Flunder. Da gibt es einen Anstieg von zwölf Prozent, wenn man da alle sieben Minuten hoch muss, schlaucht das. Aber ich jammere nicht, ich habe es mir ja ausgesucht. Trotzdem merkt man es.
Die Grundausdauer ist jedenfalls jetzt da, so langsam geht es in die Richtung Spritzigkeit. Der Bundestrainer war noch nicht ganz zufrieden mit meinen Pulswerten. Der Stabilisationsbereich. der liegt bei mir zwischen 150 und 161, und der Entwicklungsbereich, so zwischen 161 und 171, haben sich ein wenig überlappt. Da hab ich mich zu sehr unter Druck gesetzt, aber immerhin bekomm ich den Puls im Grenzbereich noch auf 195. Das wird schon noch.
Die Schießergebnisse waren auch in Ordnung. Mein Ziel ist es, noch schneller zu schießen, da kann ich dann das gutmachen, was ich auf der Strecke verliere. Beim Schießen reibe ich mich auch – freundschaftlich – immer ein wenig mit meinem Zimmerpartner Thomas Oelsner. Ich weiß, dass er gut ist – das ist für uns beide von Vorteil.
Zur Dopingprobe musste ich in Oberhof auch. Wir waren gerade beim Mittagessen, als die Herren ihre Karten zückten – da musste ich mal eben Pipi machen. Aber ich habe ein reines Gewissen. Dass kontrolliert wird, ist richtig. Ich bin zwei Jahre nicht getestet worden, jetzt war es schon die zweite Trainingskontrolle – und bestimmt nicht die letzte vor Vancouver.
Erfahren habe ich auch, dass ich bei der Wahl zum deutschen Behinderten-Sportler des Jahres in die Endrunde gekommen bin – ich fahre also am 12. November zur Gala nach Berlin! Das wird ein tolles Erlebnis, und deshalb möchte ich mich bei allen, die mich gewählt haben, sehr sehr bedanken. Das ist eine große Ehre für mich.
17.12.2009
Heimweh nach Heike
Von Josef Giesen
Mittlerweile bin ich in Norwegen zum vierten Mal umgezogen. Wir sind jetzt in Sjusjøen, etwa 20 Kilometer von Lillehammer entfernt. Ein großer Teil der Mannschaft des Teams Vancouver ist zwischendurch nach Hause gefahren – sie mussten arbeiten. Für mich hätte ein Rückflug keinen Sinn gemacht, ich wollte lieber die Zeit zum Trainieren auf der Wettkampfstrecke nutzen. Allerdings hat es mich dann für drei Tage erwischt. Ich war ein bisschen erkältet, und außerdem hatte mich das harte Training vorher doch geschlaucht. Da haben wir ordentlich Stunden abgerissen, zweimal am Tag trainiert. Der Jüngste bin ich ja auch nicht mehr.
Aber rechtzeitig zum ersten Weltcup hier in Sjusjøen geht es wieder. Am heutigen Donnerstag starte ich auf der Langlaufstrecke – allerdings nur als Trainingseinheit unter verschärften Bedingungen. Ernst wird es am Wochenende: Samstag starte ich in der Biathlon-Verfolgung, Sonntag über 12,5 Kilometer. Ich habe danach zwar noch mehr Möglichkeiten, aber das ist die erste Chance, mich für die Paralympischen Spiele zu qualifizieren. Das Ticket nach Vancouver wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk. Noch schöner ist es aber, nach dem Weltcup – nach vier Wochen in Norwegen – zurück nach Hause zu meiner Frau Heike zu kommen. Wir haben vorher lange darüber gesprochen, dass ich in der Vorbereitung wieder lange weg sein werde – ich bin froh, dass sie das alles mitmacht.
02.01.2010
Der Schnee und das Training
Von Josef Giesen
Ich bin endlich wieder ein paar Tage zu Hause, bevor es am Montag nach Oberwiesenthal geht. Dort steht ein Leistungstest auf dem Laufband an – der ist sehr gut, um den Leistungsstand zu erkennen. Aber gerne bin ich nicht auf dem Band: Festgeschnallt und verkabelt zu laufen, das ist nichts für mich.
Hier in Herzlake wollte ich eigentlich auch trainieren, aber meinen Plan kann ich derzeit nicht voll durchziehen. Der ungewöhnliche Grund für einen Biathleten: der Schnee. Mit meinen Rollerskiern kann ich da nichts ausrichten. Aber nach den anstrengenden vier Wochen in Norwegen fällt das nicht so ins Gewicht, der Trainingsplan ist derzeit sehr human. Bundestrainer Werner Nauber meinte ohnehin, ich solle mal zehn Tage den Ball flach halten.
Das tue ich auch, habe mit meiner Frau Weihnachten und das Gefühl der sicheren Qualifikation für Vancouver genossen – und davor noch eine kleine Überaschung erlebt. Am 23. Dezember stand ein Mann vor der Tür und meinte: „Herr Giesen, ich darf Sie jetzt nicht mehr aus den Augen lassen.“ Es war wieder ein Kontrolleur der NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur) – da durfte ich wenigstens auch mal zu Hause Pipi machen. Ich find die Kontrollen voll in Ordnung: Man weiß nie, mit welchen Mitteln Konkurrenten arbeiten. Es ist besser, die schwarzen Schafe werden vor den Spielen erwischt als währenddessen.
21. Dezember 2009
Saisoneinstandsrennen in Sjusjoen (Norwegen)
(asa). Im ersten Biathlon-Weltcuprennen der Saison 2009/10 gleich der erste Sieg: Josef Giesen war happy. „Das war für mich ein eigenes vorweihnachtliches Geschenk am vierten Advent“, kommentierte der nordische Behinderten-Skiläufer aus Herzlake seinen ersten Platz im Biathlon-Verfolgungsrennen von Sjusjoen (Norwegen).
Mit dem Erfolg in der erstmals auch im Wettkampfprogramm der Paralympics in Vancouver stehenden Disziplin beseitigte der Doppel-Medaillengewinner der WM 2009 auch die allerletzten leisen Zweifel an der Nominierung für seine letzte internationale Großveranstaltung im März 2010. Zwei perfekte Schießeinlagen mit jeweils null Fehlern sowie eine Klassezeit on 12:41,2 min brachte ihm bei nach drei Runden von jeweils 1,2 Kilometern den Sieg vor dem Ukrainer Grygorii Vovchynskyi (1/12:52,4) und Doppel-Weltmeister Nils-Erik Ulset aus Norwegen (1/13:07,4). „Ich habe zuletzt speziell das schnelle Schießen geübt; das hat sich voll ausgezahlt“, so der Contergangeschädigte. Bei minus 16 Grad bezeichnete Giesen auch seine Entscheidung als richtig, sich im Sommer einer Augen-Laserung zu unterziehen: „Bei den Temperaturen hätte ich mit Kontaktlinsen Probleme bekommen“.
Seine gute Form unterstrich Josef Giesen auch mit Platz sechs beim den Weltcup abschließende Biathlon-Langstreckenrennen über 12,5 Kilometer. Um bei dem von Vovchinskii (0/47:43,1 min) vor Ulset (2/4814,1) und dem Russen Konstantin Yanchuk (0/48:50,9) gewonnenen Rennen waren drei Schießfehler zu viel, um mit seiner Zeit von 50:43,8 min in den Kampf um die Podestplätze eingreifen zu können. Etwas ärgerlich aus Sicht von Giesen vor allem ein Fehlschuss bei der dritten Schießeinlage, vor dem er nicht richtig repetiert hatte: „Das war klar mein Fehler; das ist mir bisher noch nie passiert“.
Endgütig abhaken wird der Emsländer für den Winter seine Starts bei Langlauf-Wettbewerben, nachdem er in Sjusjoen über 10 Kilometer in der freien Technik in 35:55,4 min nur Platz 24 erreicht hatte. „Auf dem stumpfen Schnee war ich nicht gut, aber die Umstände ärgern mich immer mehr“. So tauchte in seiner Klasse LW5/7 mit Vladimir Kononov ein neuer Starter aus Russland auf, der im Gegensatz zu Giesen seine volle Armlänge besitzt, daher beim Laufen mitschwingen kann und dadurch klare Vorteile besitzt, ohne dass dies berücksichtigt werden würde. Schon beim Weltcupstart deutete sich im übrigen an, dass die Starter aus Russland und der Ukraine auch in der paralympischen Saison wieder in allen Klassen ganz weit vorne mitmischen werden.
Doch auch die deutsche Mannschaft zeigte sich gegenüber der Vorsaison in der Breite verbessert. Gleich vier Siege in allen vier Rennen der Sehbehinderten/Blinden gelangen der Tettnangerin Verena Bentele, die nach ihrer schweren Verletzung von Anfang des Jahres mit Verlust einer Niere ein sensationelles Comeback feierte. En weiterer Sieg für das Team des Deutschen Behindertensportverbands feierte im Biathlon-Langstreckenrennen der Freiburger Willi Brem. Dazu zeigte sich auch Routinier Frank Höfle (Isny) mit zwei dritten Plätzen in den beiden Skilanglauf-Wettbewerben in guter Form.
3. November 2009
Da warens nur noch drei, und Josef Giesen ist dabei.
Die erste Nominierungsrunde überstanden hat der Biathlet aus Herzlake bei der Wahl der Behindertensportler des Jahres 2009. „Damit habe ich mein Hauptziel schon erreicht und freue mich auf die Reise nach Berlin“, so der Contergangeschädigte nach der Bekanntgabe der Ergebnisse am Montag. Die freudige Nachricht erreichte ihn nach der Rückkehr von „einer sehr anstrengenden Woche“ mit erneutem Training im Skitunnel von Oberhof.
Knapp vier Wochen lang hatte der Deutsche Behindertensportverband seine erfolgreichsten Sportler des Jahres 2009 präsentiert. Im Internet unter www.dbs-npc.de, sportschau.de und kicker.de standen fünf Sportler, fünf Sportlerinnen und fünf Mannschaften zur Wahl. Bei den Sportlern stehen danach neben Josef Giesen noch der Radsportler Michael Teuber und der Ski alpin-Rennläufer Gerd Schönfelder zur Auswahl in der Endrunde. Verbliebene Kandidatinnen bei der Sportlerinnen-Wahl sind die Ski alpin-Rennläuferin Andrea Rothfuss, Radsportlerin Andrea Eskau und Schwimmerin Kirsten Bruhn. Das Rollstuhlcurling-Team, die Basketball Damen und Sitzvolleyball Herren machen die Entscheidung bei den Mannschaften unter sich aus.
Nach der Online-Wahl werden in der zweiten Phase die ersten drei gewählten Sportler und Mannschaften im „ARD-Morgenmagazin“ (9., 10., 11. November) mit einem Kurzporträt vorgestellt. Die Zuschauer können dann per Email und Telefon entscheiden, welche der Spitzenathleten des deutschen Behindertensports die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen. Ausgezeichnet werden die Gewinner bei der „Die Nacht der Stars“ am 12. November im Maritim-Hotel-Berlin.
24. Oktober 2009
Vancouver im Visier - Ein letztes Mal will Biathlet Josef Giesen zu den Paralympischen Spielen
Von Mike Röser
Herzlake. Was mit einem Sturm in Österreich begann, soll mit dem vierten Auftritt unter olympischen Ringen noch einen letzten Höhepunkt finden: Josef Giesen, contergangeschädigter Wintersportler aus Herzlake, nimmt noch einmal die Paralympischen Spiele ins Visier – im März 2010 will der Biathlet im kanadischen Vancouver dabei sein.
Es schwingt keine Wehmut mit, wenn Giesen über seine sportliche Laufbahn spricht, bei der er nun in die letzte Runde einbiegt. Freude, Stolz, auch Dankbarkeit klingen aus seinen Worten. „Ich habe viele Freunde kennenlernen, habe viele Erfolge feiern dürfen“, sagt der 47-Jährige. „Aber“, fügt er an, „mit 50 möchte ich da nicht mehr rumkrebsen.“
Da, das sind die Wintersportgebiete dieser Welt, auf denen er in den vergangenen 15 Jahren zu Hause war. Das schwedische Sunne, wo er 1996 bei seiner ersten Weltmeisterschaft Silber im Biathlon und Bronze im Langlauf gewann. Die Paralympischen Spiele im japanischen Nagano (1998), im US-amerikanischen Salt Lake City (2002) und im italienischen Turin (2006). Oder auch „mein schönster Wettkampf“, die Europameisterschaft 1997 in Tobolsk (Russland), als die Zuschauer ihn mit ihrer Herzlichkeit überwältigten, mit ihm Kaffee, Tee und Kuchen teilten.
Erlebnisse, die ihm ein Zufall bescherte. 1994 war er noch als Ski-Alpin-Läufer unterwegs, wollte an den Landesmeisterschaften auf dem österreichischen Stubaier-Gletscher teilnehmen. Doch ein Sturm führte zur Absage – und Giesen zu den Wettkämpfen in der Loipe. Fortan setzte er als Spätstarter auf Langlaufskier und das Gewehr. „Ohne den Sturm hätte ich das alles nicht erlebt“, sagt Giesen.
Nun soll diese Zeit ausklingen, mit dem Höhepunkt Vancouver, mit Wettkämpfen danach, „aber ohne Zwang“. Es ist sein Körper und das Alter, die diesen Entschluss in ihm reifen ließen: Von Wettkampf zu Wettkampf, von Training zu Training braucht er immer länger zur Regeneration. Er nimmt es hin, sagt: „Ich muss niemanden mehr etwas beweisen.“ Zumal er ohnehin nicht nur um der Medaillen Willen in die Loipe ging: Es ging, geht um die Gesundheit. Die Folgen „meines Handicaps“, der Contergan-Behinderung, konnte er so lindern, Symptome wie Rückenprobleme „durch meinen Sport verzögern“.
Deshalb wird er auch nach Vancouver etwas für den Körper tun, der auf Leistungssport getrimmt ist und „abtrainiert“ werden muss. Bis dahin heißt es noch einmal: Kilometer abreißen auf Lehrgängen, die Perfektion im Umgang mit dem Gewehr suchen. Zu 100 Prozent zielstrebig gehe er dabei vor, sehr bewusst – und doch lockerer als in den Jahren zuvor: „Jede Trainingseinheit ist wichtig für mich.“ Zunächst fokussiert er den ersten Weltcup im Dezember in Norwegen. Dort will er sich für seine letzten Paralympics „qualifizieren – und gesund bleiben“.
Auf seinem Weg nach Vancouver begleitet die Emslandsport-Redaktion Josef Giesen. Ab November berichten wir In einem 14-tägigen Trainingstagebuch von Höhen und Tiefen, Qualen und Freuden.
16. Oktober 2009
„Nominierung ist eine große Ehre“
Herzlakener Josef Giesen zur Wahl zum Behindertensportler des Jahres 2009 nominiert
(asa). Mit zusätzlicher Motivation kann der Biathlet Josef Giesen die weiteren Vorbereitungen im Hinblick auf die Winter-Paralympics in Vancouver angehen. Der zweifache Medaillengewinner bei den Weltmeisterschaften in Vuokatti gehört zu den fünf Kandidaten zur Wahl des Behindertensportlers des Jahres 2009. „Eine große Ehre für mich“, so Giesen, der sich auch mit seiner aktuellen Form nach den letzten Trainingslagern sehr zufrieden zeigt.
Beeindruckt zeigte sich der nordische Behindertensportler von seinem vorherigen erstmaligen Training im Skitunnel von Oberhof. Zusammen mit dem Einstockläufer Thomas Oelsner konnte er die neue Anlage an zwei Tagen für drei Stunden kostenlos nutzen. „Bei konstant minus fünf Grad bietet der Tunnel optimale Bedingungen“, so das Urteil von Josef Giesen, „das habe ich nicht zum letzten Mal gemacht.“ Anspruchsvoll gerade für den ohne Stöcke laufenden Giesen eine zwölfprozentige Steigung mit anschließender Abfahrt, die technisch einige Anforderungen stellt.
Eine Laufbandanalyse bei einem anschließenden Trainingslager in Oberwiesenthal unter der Regie von Bundestrainer Werner Nauber habe dann„sehr zufriedenstellende Werte“ ergeben, meinte der Herzlakener, „sie entsprechenden denen vor der Weltmeisterschaft Anfang des Jahres.“ Bei der WM hatte Josef Giesen als bester deutscher Starter in den beiden Biathlon-Wettbewerben mit einer Silber- und Bronzemedaille überzeugt und sich die Nominierung für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres erworben. In der ersten Phase stehen dabei bei Männern, Frauen und Mannschaften in einer Online-Wahl auf der Homepage des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) jeweils fünf Kandidaten zur Auswahl.
Als „sehr harte Konkurrenz“, bewertet Josef Giesen die Mitbewerber Michael Teuber (Radsport), Gerd Schönfelder (Ski alpin), Matthias Schröder (Leichtathletik) und Holger Nikelis (Tischtennis, von denen die besten Drei nach Abschluss der ersten Wahlrunde am 1. November die Endrunde erreichen werden. Über den Behindertensportler des Jahres entscheiden dann erstmalig die Fernsehzuschauer des ARD-Morgenmagazins per E-mail und Telefon, denen vom 9. bis 11. November das ausgewählte Trio in einem Kurzbeitrag vorgestellt wird. Ausgezeichnet werden die Gewinner bei der „Nacht der Stars“ am 12. November im Maritim-Hotel Berlin. „Ich bin sehr stolz, unter die besten Fünf gekommen zu sein“, kommentiert Josef Giesen die Entscheidung des Verbandes; „bei den Namen auf der Liste unter die ersten Drei zu kommen, wäre jetzt das Größte. Ich bin aber sicher, dass das Emsland auch diesmal wieder zusammenhalten und mich unterstützen wird.“
INFORMATION: Die Teilnahme an der Wahl ist noch bis zum 1. November im Internet über die DBS-Homepage www.dbs-nps.de möglich.
14. Oktober 2009
Gespannt auf Premiere im Skitunnel -
Josef Giesen bereitet sich intensiv auf seine letzten Paralympics vor
(asa). Seine letzten Paralympics sind für den Behinderten-Skilangläufer Josef Giesen nur noch ein knappes halbes Jahr entfernt. Zeit für den Herzlakener, die ersten Kilometer auf Schnee zurückzulegen.

Nach den sommerlichen Strandläufen auf Helgoland verlegt der Behinderten-Skilangläufer Josef Giesen das Training in den kommenden Wochen wieder auf gefrorenen Untergrund.
Mühsam gestaltete sich für die Mitglieder der Nationalmannschaft allerdings das Auftakt-Training auf dem Dachstein-Gletscher. "Bei Plustemperaturen war das Laufen auf einem braunen Schnee sehr schwierig", berichtet Josef Giesen von einem problematischen Auftakt. Erfreulich dagegen auch aus Sicht von Bundestrainer Werner Nauber: alle Referenzwerte des mittlerweile auch dem "Top-Team Vancouver" des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) angehörenden 47-Jährigen bei einem Leistungstest haben gestimmt. Die dadurch ausgebaute Förderung erlaubt auch das vom Bundestrainer gemeinsam mit dem Athleten im Hinblick auf die Paralympics im März 2010 angepeilte Trainingspensum. Giesen: "Ab November, wenn die Wintersaison richtig beginnt, packen wir auf das bisherige Pensum noch einmal zehn Prozent drauf. Das muss sein, denn schließlich habe ich für die Spiele in Kanada noch einmal hohe Ziele."
Schon in dieser Woche zündet Josef Giesen eine neue Stufe der Vorbereitung. Erstmals geht es für ihn in den in diesem Sommer in Betrieb genommenen, neuen Skitunnel in Oberhof, der im Gegensatz zum Gletscher beste Skibedingungen garantiert. "Darauf bin ich sehr gespannt", so Giesen, der an drei Tagen in der auch von den DSV-Langläufern und -biathleten genutzten Topanlage seine Runden drehen wird.
Danach reist der Contergangeschädigte gleich einige Kilometer weiter nach Oberwiesenthal, um dort ein privates Trainingslager bei seinem Nationalmannschaftskollegen Thomas Oelsner aufzuschlagen. "Bei ihm bin ich gut aufgehoben", erklärt Giesen das Motto des auch in Vancouver in der stehenden Männerklasse antretenden Duos: zusammen trainieren, getrennt zuschlagen.
27. Februar 2009
Josef Giesen bei Autounfall leicht verletzt
Vorzeitig die Saison beenden musste nach einem Unfall der nordische Behinderten-Skiläufer Josef Giesen. Der Herzlakener prallte während eines Aufenthalts bei Bundestrainer Werner Nauber in Sehmatal mit seinem Auto gegen einen Baum und erlitt einen Anbruch des Fußes. Der zweifache Medaillengewinner bei den Weltmeisterschaften 2009 in Vuokatti im Biathlon muss daher auf den geplanten Start bei den Pre-Paralympics in der kommenden Woche in Whistler (Kanada) verzichten."Jetzt kuriere ich mich in den nächsten Wochen erst einmal richtig aus, und dann geht die Vorbereitung auf die Paralympics in Vancouver 2010 los", so Josef Giesen nach der Schrecksekunde.
9. Februar 2009
Deutsches Treffen im Viertelfinale - Thomas Oelsner verpasst Einzug in Sprintfinale um Haaresbreite
(asa) Um eine Skispitze verpasste der Einstockläufer Thomas Oelsner den Einzug ins Finale beim Langlauf-Sprint der Winter Games in Solleftea (Schweden) und belegte in der Endabrechnung des Weltcup-Rennens den sechsten Platz. Im Viertelfinale ausgeschieden war zuvor bei dem Rennen im freien Stil der zweite deutsche Starter Josef Giesen.
Nach einem erneuten Temperatursturz in Nordschweden auf minus 20 Grad gingen die Behinderten-Skiläufer der stehenden Klasse auf die 1,2 Kilometer lange Strecke, auf der sich an einem steilen Anstieg die Spreu vom Weizen trennte. Nach erfolgreicher Qualifikation im Prolog trafen im Viertelfinale Josef Giesen und Thomas Oelsner im direkten Vergleich aufeinander. Während Oelsner zusammen mit dem Dreifach-Weltmeister Nils-Erik Ulset die Vorschlussrunde erreichte, schied der Herzlakener Giesen als Dritter vor dem Österreicher Michael Kurz aus.
Ein Fotofinish erlebten die Zuschauer im Halbfinale mit deutscher Beteiligung. Thomas Oelsner hielt sich zunächst etwas zurück, kam im Endspurt aber ganz dicht an Ulset heran. Der Norweger schob sich mit letzter Kraft und wenigen Zentimetern Vorsprung als Zweiter über die Ziellinie. Im Finale hatte er dann aber als Vierter keine Chance gegen den Tagesieger und WM-Bronzemedaillengewinner Jan Kolodziej (Polen), der alle seine Läufe in überzeugender Manier gewann. Silber holte der Finne Ilkka Tuomisto vor Vegard Dahle, der die Dominanz der norwegischen Läufer auch im Behinderten-Sprint unterstrich.
6. Februar 2009
Zimmerkollegen wechseln die Plätze - Josef Giesen am zweiten Tag in Solleftea knapp vor Thomas Oelsner
(asa). Die Plätze drei und vier bleiben bei den Biathlon-Wettbewerben der Behinderten-Winter Games in Solleftea fest in deutscher Hand. Im Rennen über 7,5 Kilometer sicherte sich aber diesmal der am Vortag in der Verfolgung viertplatzierte Josef Giesen vor Thomas Oelsner den untersten Platz auf dem Siegerpodest.
Im Duell der beiden Zimmerkollegen war der ohne Stöcke laufende Herzlakener auf der schwierigen Strecke in Nordschweden am Ende sechs Sekunden schneller als der Oberhofer, der nach vor wie mit seiner Schießleistung hadert: „Das muss noch besser werden. Läuferisch bin ich derzeit aber dafür gut drauf. Ich habe schon während der Weltmeisterschaft gemerkt, dass meine Form immer besser wird“, so Thomas Oelsner.
Zwei Schießfehler reichten daher bei besserem Wetter und weniger Wind als am ersten Wettkampftag nicht aus, um den nur einmal daneben zielenden Josef Giesen zu bezwingen. Der Emsländer war daher auch mit seiner Platzierung zufrieden, die ihm zusammen mit Oelsner auch in der Weltcup-Gesamtwertung mit 110 Punkten den geteilten dritten Platz sicherte.
Vor Giesen und Oelsner liegt nach zwei Rennen mit zwei zweiten Plätzen und 160 Punkten der Biathlon-Spezialist Yannick Bourseaux (Frankreich). Einmal mehr mit einem deutlichen Vorsprung von 1:31 Minuten auf Platz drei nicht zu schlagen war auch im Biathlon-Sprint der Norweger Nils-Erik Ulset. Wegen seiner augenblicklichen Dominanz und seiner überragenden Laufzeiten ist der Dreifach-Weltmeister von Vuokatti mittlerweile allerdings ins Visier einer Reihe von Mannschaften geraten, die seine Klassifizierung in Frage stellen.
Während Josef Giesen in Solleftea nur noch beim Langlauf-Sprint im freien Stil antreten wird, bestreitet Thomas Oelsner zum Abschluss auch noch das Langstreckenrennen über 20 Kilometer.
5. Februar 2009
Wind spielt einen Streich - Josef Giesen in Sollefta mit vier Fehlern auch auf Platz vier
(asa). Mit den Plätzen drei und vier in der stehenden Männerklasse beendeten die beiden deutschen Starter Thomas Oelsner (Oberhof) und Josef Giesen (Herzlake) das erste Weltcuprennen der Saison 2008/2009 in Solleftea. Wintersportler aus 26 Nationen treffen sich derzeit in Nordschweden zu den Winter Games in den Disziplinen Ski nordisch, Ski alpin (Europacup) und Schlittenhockey. “Und die Eröffnungsfeier war sogar beeindruckender als die bei der Weltmeisterschaft“, so der Herzlakener zum organisatorisch gelungenen Auftakt.
Direkt von den Weltmeisterschaften aus Vuokatti war das durch Bundestrainer Werner Nauber komplettierte deutsche Trio an den Ort der Europameisterschaften 2001 gereist, wo man im Hotel Halstenberg gemeinsam mit den deutschen Alpinen Quartier genommen hat. „Unterkunft gut, Essen weniger“, so das erste Fazit von Giesen, der allerdings wie alle anderen Teilnehmer die kurzen Wege vom unmittelbar am Skistadion gelegenen Hotel zum Start lobt.
Strahlender Sonnenschein bei Temperaturen um minus 15 Grad begleitete zudem die Trainingstage ab Montag, ehe ausgerechnet beim Biathlon-Verfolgungsrennen das Wetter umschlug.
Nicht auf den aufkommenden Wind reagieren konnte vor allem der nach dem Prolog noch drittplatzierte Vizeweltmeister Josef Giesen. Er leistete sich ungewohnte vier Schießfehler und verfehlte als Vierter einen Podestplatz knapp. „Die norwegischen Betreuer haben mein Schießen verfolgt und mir gesagt, ich hätte drei nach links drehen müssen, dann hätte es geklappt“, erklärte der 47-Jährige sein Problem, „da habe ich meinen Betreuer Rolf Nuber als erfahrenen Biathleten vermisst.“
Den dritten Platz sicherte sich dafür der bei der WM noch leer ausgegangene Einstockläufer Thomas Oelsner, der fünf „Fahrkarten“, davon allein vier beim zweiten Schießen, durch seine Laufstärke auf der bekannt anspruchsvollen Strecke von Solleftea diesmal ausspielen konnte. Es siegte einmal mehr der im Moment in dieser Disziplin überragende Biathlon-Doppelweltmeister Nils-Erik Ulset (Norwegen) vor dem Franzosen Yannick Bourseaux. Beide gehen zusammen mit den beiden Deutschen auch wieder als Favoriten in das einen Tag nach der Verfolgung auf dem Programm stehende 7,5 km-Biathlon-Rennen.
4. Februar 2009
Interview mit Josef Giesen
Seiner bereits reichhaltigen Medaillensammlung hat der Behinderten-Skisportler Josef Giesen aus Herzlake bei der am Sonntag beendeten Weltmeisterschaft in Vuokatti je einmal Silber und Bronze in den beiden Biathlon-Wettbewerben hinzu gefügt. In einem Gespräch mit der Meppener Tagespost zieht der seit letzten Montag 47-Jährige eine Bilanz der Titelkämpfe in Finnland.
Wie fällt Dein sportliches Fazit der Weltmeisterschaft aus?
Giesen: Natürlich uneingeschränkt positiv. Auf eine Medaille hatte ich gehofft, jetzt sind es sogar zwei geworden. Und bei der Biathlon-Verfolgung haben sogar nur wenige Sekunden zum Sieg gefehlt. Das alles hat gezeigt, dass die Vorbereitung und der mit dem Bundestrainer Werner Nauber erstellte persönliche Trainingsplan voll aufgegangen sind.
Was sind allgemein die sportlichen Tendenzen, die sich bei dieser Weltmeisterschaft als erstem großen internationalen Vergleich seit den Paralympics 2006 in Turin gezeigt haben?

Giesen:
Wie sich bei Medaillenspiegel zeigt, sind die osteuropäischen Länder, allen voran Russland und die Ukraine, noch stärker geworden. Die Förderung seitens des Staates zahlt sich dort eben aus. Für mich glücklicherweise ist dieser Trend beim Biathlon noch nicht so eindeutig, da können wir, die Franzosen und Norweger noch mithalten, und ich hoffe, das bleibt bis zu den Paralympics 2010 in Vancouver noch so.
Wie ist die WM aus Deiner Sicht organisatorisch verlaufen?
Giesen: Man muss sagen, dass die Strecken sehr selektiv und sehr gut
präpariert waren. Auch am Ablauf der Rennen gibt es nichts zu meckern, denn für den Temperatursturz am letzten Wochenende bis zu minus 25 Grad können die Veranstalter nichts. Vorbildlich waren die Unterkünfte in einem neuen Hotel mit viel Platz und, typisch finnisch, einer Sauna in jedem Appartement. Nur der Besuch ließ leider viel zu wünschen übrig, An einem Tag waren ein paar Schulklassen da, ansonsten sind die Zuschauer ausgeblieben.
Was sind Deine weiteren Pläne?
Giesen: In diesem Winter geht es jetzt gleich bei den ersten Weltcuprennen in Solleftea weiter. Ich hoffe, in der Gesamtwertung des Biathlon wieder weit vorne zu landen. Dafür kann ich dann auch Punkte bei den Pre-Paralympics in Whistler und beim Finale in Mount Washington sammeln. In Whistler werde ich mich dann schon einmal genau umsehen, denn natürlich ist mein ganz großes Ziel noch einmal eine Teilnahme an den Paralympics in ungefähr einem Jahr in Kanada. Mit den beiden WM-Medaillen habe ich dazu jetzt schon einen Schritt zur Qualifikation geschafft.
Weil Du jetzt gleich nach Schweden weiter fährst, fällt die nächste Feier in Deiner Heimat wohl erst einmal aus ...?
Giesen: Ja klar, das muss erst einmal warten. Dennoch möchte ich mich bereits jetzt vor allem bei meiner Frau Heike und allen Nachbarn in der Appelallee, besonders der Familie Theo Hues, noch einmal für ihre Unterstützung ganz herzlich bedanken. Und ich grüße alle Fans im Emsland, die mir wieder die Daumen gedrückt haben!
2. Februar 2009
Ein Schießfehler reicht zu Bronze - Josef Giesen gewinnt seine zweite WM-Medaille in Vuokatti
(asa) Die absolute Konzentration auf die beiden Biathlon-Wettbewerbe von Vuokatti hat sich für Josef Giesen gelohnt. Nach Silber im Verfolgungsrennen sicherte sich der Contergangeschädigte aus Herzlake mit Platz drei über die Biathlon-Langstrecke seine zweite Medaille der Weltmeisterschaften Ski nordisch 2009. Der während der WM 47 Jahre alt gewordene Läufer ist damit der erfolgreichste deutsche WM-Teilnehmer.
„Wenn ich mit diesen Plätzen nicht zufrieden wäre, dann würde etwas nicht stimmen“, so Josef Giesen nach dem Zieleinlauf eines in vielerlei Hinsicht harten Wettbewerbs. Neben der sehr anspruchsvollen Strecke mit einer Kräfte raubenden Steigung machten allen Teilnehmern am vorletzten Tag der Weltmeisterschaft die tiefen Temperaturen zu schaffen. Bis zu minus 25 Grad zeigte das Thermometer, worauf die Organisatoren mit einer Startverschiebung um eine Stunde reagierten. Dennoch hatten vor allem einige Schlittenfahrer Probleme und die Zeitabstände waren erheblich.
Eine erneut fast makellose Schießleistung war die Grundlage des zweiten Medaillengewinns von Josef Giesen im Rennen der stehenden Männerklasse. Nur einmal zielte der wieder von Rolf Nuber am Schießstand perfekt betreute Herzlakener vorbei, was ihm im engen Zweikampf um Platz drei den entscheidenden Vorteil gegenüber dem Ukrainer Grygorii Vovchinskyi (43:42,0 min) sicherte. Nach einem harten Kampf auf der letzten Runde erreichte Giesen in 43:38,6 min das Ziel und tröstete sich am Ende damit, dass er auch mit einem absolut fehlerfreien Schießen an Sieger Nils-Erik Ulset (Norwegen, 40:27,3) und Silbermedaillengewinner Yannick Bourseaux (Frankreich, 42:36,5) nicht herangekommen wäre. „Der Berg hatte es schon in sich; den will ich nicht mehr sehen, nicht einmal außerhalb der Rennen“, so Giesen. Auch der erfahrenste deutsche Teilnehmer Frank Höfle habe ihm gegenüber erklärt, dass diese Strecken in Finnland die bisher anspruchsvollsten bei einem internationalen Großereignis überhaupt gewesen, meinte der Herzlakener zum hohen Schwierigkeitsgrad der Kurse. Deshalb hatte er in Abstimmung mit Bundestrainer Werner Nauber auch auf den zunächst angedachten Start im 10 Kilometer-Rennen am Donnerstag verzichtet, „und das war gut so!“
Die Zeit hatte Giesen auch dazu genutzt, mit Hilfe des Physiotherapeuten und Mannschaftsarztes seinen lädierten Rücken zu kurieren. Die nächsten Rennen stehen nämlich bereits vor der Tür, denn zusammen mit Thomas Oelsner und dem Bundestrainer macht sich der Emsländer nach der Schlussfeier direkt vom WM-Ort auf die Reise ins schwedische Solleftea. Bei den Winterspielen am Austragungsort der Europameisterschaft 2001 werden die ersten Weltcuppunkte der Saison vergeben.
27. Januar 2009
Verfrühtes Geburtstagsgeschenk in Vuokatti:
Josef Giesen gewinnt beim Auftakt WM-Silbermedaille in der Biathlon-Verfolgung
(asa) Einen Tag vor seinem 47. Geburtstag hat der Herzlakener Josef Giesen für einen gelungenen Auftakt der deutschen Mannschaft bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Vuokatti gesorgt. Ohne einen Fehler im Prolog und der anschließenden Verfolgung sicherte er sich mit Platz zwei hinter dem laufstarken Norweger Nils-Erik Ulset die Silbermedaille und damit das erste Edelmetall für das DBS-Team im Norden Finnlands.

Rolf Nuber, Manschaftsarzt Dr. Lars Meiworm und Phyiotherapeut Sepp Plenk", stellte der Contergangeschädigte die Leistung der Mannschaft um die Athleten mit in den Vordergrund.
Die ganze Woche über hatte Plenk dreimal täglich gegen die Schmerzen im Rücken gearbeitet, "und am Samstag war ich dann gerade rechtzeitig erstmals schmerzfrei", so Giesen.
Nuber hatte im Rennen für perfekt präparierte Ski gesorgt und am Schießstand als Betreuer richtig auf den stärker werdenden Wind reagiert.
Als Sieger des Prologs auf der rund 1,2 Kilometer langen Strecke konnte Josef Giesen bereits überzeugen und machte damit Hoffnungen auf einen Platz auf dem Treppchen. Bei Temperaturen um minus sieben Grad behielt er dann auch im entscheidenden Rennen über drei Runden mit zwei Schießeinlagen die Nerven und traf damit am Sonntag insgesamt 20 Mal ins Schwarze. Sogar Gold und der WM-Titel in der stehenden Männerklasse war möglich, doch trotz zweier Schießfehler hatte der Norweger Ulset mit rund drei Sekunden Vorsprung das bessere Ende für sich. Dritter wurde weitere 16 Sekunden zurück der Russe Ilgam Makhmutov vor dem Oberhofer Thomas Oelsner.

"Ich bin super zufrieden mit dem zweiten Platz und habe mir damit selbst das schönste Geschenk gemacht", freute sich Josef Giesen auf die durch einige Proteste verspätet durchgeführte Siegerehrung und eine kleine Geburtstagsfeier am heutigen Montag, an dem er bei beim
Langlauf im klassischen Stil nicht an den Start gehen wird. Auch Gelegenheit für den Emsländer, das Drumherum der Weltmeisterschaft zu genießen, die am Freitag offiziell eröffnet wurden. "Die Organisation ist perfekt, die Strecken sind hervorragend präpariert", so sein erstes Fazit. Am ersten Wettkampftag fanden allerdings nur wenige Zuschauer den Weg ins Skistadion von Vuokatti. "Das ist wirklich nicht zu vergleichen mit unserer Heim-Weltmeisterschaft 2003 in Baiersbronn", so Giesen bedauernd, der bei den Titelkämpfen im Schwarzwald vor sechs Jahren von einer eigens angereisten, lautstarken Fangruppe unterstützt worden war.
23. Januar 2009
Vorbericht zur am Wochenende beginnenden Weltmeisterschaft Ski nordisch der Behinderten in Vuokatti (Finnland)
Einen kompletten Medaillensatz und möglichst einem Titel strebt Bundestrainer Werner Nauber bei den am Freitag beginnenden Weltmeisterschaften Ski nordisch der Behinderten in Vuokatti (Finnland) an. Die Wettbewerbe in der 600 Kilometer nördlich von Helsinki gelegenen Wintersportstadt sind der erste große internationale Vergleich für über 100 Sportler aus 20 Nationen nach den Winter-Paralympics 2006 in Turin.Mit der Biathlon-Verfolgung steht fpür den herzlakener Josef Giesen am Sonntag gleich ein erster Höhepunkt auf dem Programm.
"Wir haben eine Durststrecke überwinden müssen und auch finanziell einige Probleme gehabt", so Werner Nauber mit einem Rückblick auf die kurzfristige Absage der 2007 in der Schweiz geplanten Weltmeisterschaft sowie die Saison 2008. Um so optimistischer stimmte ihn die gute Form aller WM-Kandidaten beim Dezember-Trainingslager in Livigno, bei dem die WM-Plätze nach Qualifikationswettkämpfen vergeben wurde. Erst nach der Weltmeisterschaft sind weitere Weltcup-Rennen sowie die Pre-Paralympics in Whistler (Kanada) terminiert.
Einen ersten größeren Rückschlag musste das deutsche Team Mitte Januar bei den nationalen Meisterschaften in Nesselwang hinnehmen. Dort konnten sich die Asse des DBS zwar auch gegen ihre Konkurrenten aus Österreich und der Schweiz ziemlich deutlich durchsetzen. Doch ein schwerer Sturz der Titelanwärterin Verena Bentele (Tettnang) trübte die Stimmung. Hatte der Bundestrainer zunächst noch gehofft, die blinde Paralympicsiegerin und mehrfache Weltmeisterin in dieser Saison noch einsetzen zu können, muss die Studentin jetzt sogar nach Komplikationen um die Fortführung ihrer sportlichen Karriere bangen. Die erhofften Medaillen in Vuokatti fallen mit Sicherheit aus.
Die Hoffnungen der deutschen Mannschaft in den Langlaufwettbewerben ruhen jetzt in erster Linie auf den Routiniers Frank Höfle (Isny) und Thomas Oelsner (Oberhof), doch auch der contergangeschädigte Josef Giesen steht auf seinem Zettel, der wie in den Vorjahren alles auf die Biathlon-Rennen setzt. "Er ist immer sehr zuverlässig vorne dabei und im Biathlon immer zu beachten", meint Werner Nauber zu den Chancen des während der WM 47 Jahre alt werdenden Giesen. Das "Nordlicht" in der deutschen Mannschaft legte zuletzt noch ein privates Trainingslager in der Nähe seines Trainers in Oberwiesenthal ein, laboriert derzeit aber noch an leichten Problemen im Rückenbereich.
Die deutsche Mannschaft, zu der neben Teammanager Martin Haag und Physiotherapeut Sepp Plenk auch der neue Mannschaftsarzt Lars Meiworm (Kirchzarten) zählt, fliegt am Donnerstag nach Finnland. Bei der Eröffnungsfeier am Freitag wird auch der IPC-Präsident Philipp Craven anwesend sein.
Zeitplan der WM 2009 in Vuokatti:
Freitag, 23. Januar:
Eröffnungsfeier;
Sonntag, 25. Januar:
Biathlon-Verfolgung
Montag, 26. Januar:
Skilangläufe CL (10/15/10 km)
Mittwoch, 28. Januar:
Staffel
Donnerstag, 29. Januar:
Skilanglauf FT (5/10 km);
Samstag, 31. Januar:
Biathlon-Langstrecke
Sonntag, 1. Februar:
Skilanglauf-Sprint und Schlussfeier.
12. Januar 2009
Noch ein Schießfehler zu viel - Josef Giesen gewinnt Biathlon-Meistertitel in Nesselwang
Von Arno Schade
(asa) Internationaler deutscher Meister im Biathlon-Langstreckenrennen wurde bei den Titelkämpfen der nordischen Behinderten-Skiläufer am Wochenende in Nesselwang (Allgäu) der Herzlakener Josef Giesen.
Bei nahezu optimalen Wetterverhältnissen mit Temperaturen um minus fünf Grad und Dauer-Sonnenschein an allen drei Wettkampftagen eröffnete Josef Giesen die Deutschen Meisterschaften mit einem fünften Platz im Langlauf-Sprintrennen, nachdem er bereits im Prolog auf Rang fünf gelandet war. Auf einen Start im Langlaufrennen im klassischen Stil verzichtete der Contergangeschädigte und legte dafür am Samstag noch eine Biathlon-Trainingseinheit ein.
Das sollte sich lohnen, denn vor allem am Schießstand holte Josef Giesen den entscheidenden Vorsprung heraus. "Drei Schießfehler bei 20 Versuchen ist zwar noch zumindest einer zu viel, aber das kommt bei der Weltmeisterschaft noch", so Giesen selbstbewusst. Letztlich setzte er sich vor dem Freiburger Willi Brem und Michael Kurz (Österreich) durch und überzeugte damit auch Bundestrainer Werner Nauber, der ihm anerkennend auf die Schulter klopfte: "Mach weiter so, dann klappt das auch in Vuokatti."
Vor dem Abflug am 22. Januar zur Weltmeisterschaft in den hohen Norden Finnlands legt Josef Giesen jetzt noch ein privat organisiertes Trainingslager in Oberwiesenthal ein, wo er sich auf 1100 Metern Höhe optimal vorbereiten will. An gleicher Stelle hatte sich die komplette Nationalmannschaft unmittelbar vor Weihnachten schon einmal getroffen.
Mit von der Partie war Mitte Dezember auch die eigentlich als WM-Medaillenkandidatin gehandelte Verena Bentele (München), die sich bei einem Sturz bei den deutschen Meisterschaften jetzt ernsthafter verletzte und sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Ob die blinde Läuferin in Vuokatti starten kann, steht momentan noch nicht fest.




















